Die Kluft zwischen Technologieunternehmen („TechCos“) und traditionellen Telekommunikationsanbietern („Telcos“) wird immer größer. Was TechCos heute von Telcos unterscheidet, sind nicht mehr die Netze, die sie betreiben – sondern das, was sie darauf aufbauen.
Während Hyperscaler und digitale Vorreiter ihr Wachstum durch Software, Plattformen und datengetriebene Services weiter ausbauen, treten viele Telcos auf der Stelle. Sie investieren massiv in Infrastruktur, schaffen es aber kaum, neue Wertquellen jenseits der Konnektivität zu erschließen.
Besonders deutlich zeigt sich diese Kluft im IoT: Hier gilt Konnektivität längst als Ware, und der eigentliche Mehrwert entsteht bei denen, die die dazu passenden Plattformen entwickeln und betreiben. Um in der nächsten Welle der digitalen Transformation relevant zu bleiben, müssen Telekommunikationsunternehmen über den reinen Bandbreitenverkauf hinausgehen. Sie müssen wieder lernen, selbst zu bauen – Software, Plattformen und digitale Services zu entwickeln, die weit über die SIM-Karte hinausreichen.
Das TechCo-Playbook: Wer die Plattform besitzt, kontrolliert den Wert
TechCos wie Amazon, Microsoft, Google und neuere IoT-Start-ups verfolgen einen einfachen Ansatz:
- Plattformen für Daten, KI, Gerätemanagement, Sicherheit und Abrechnung aufbauen
- Ökosysteme aus Entwicklern und Partnern anziehen
- Monetarisieren durch wiederkehrende Services, Upgrades und neue Geschäftsmodelle
Aus diesem Grund ist AWS weit mehr als nur ein Cloud-Infrastruktur-Anbieter – AWS ist ein Innovationstreiber. Und deshalb basieren Apples Umsätze längst nicht mehr nur auf Hardware, sondern auch auf Services, Abonnements und Ökosystemen.
Im IoT liefern TechCos Ende-zu-Ende-Plattformen, die Geräteeinbindung, Datenerfassung, Analytics, Sicherheit und KI abdecken. Sie ermöglichen Unternehmen, IoT-Lösungen in großem Maßstab bereitzustellen – und verbergen dabei die Komplexität der zugrunde liegenden Netzwerke.
Das Ergebnis? Ob NB-IoT, LTE-M, 5G oder Glasfaser – Konnektivität wird für Endkunden unsichtbar. Sie ist nur noch ein Kostenfaktor, kein strategischer Vorteil.
Das Telco-Dilemma: Im Bandbreitenverkauf stecken geblieben
Die meisten Telcos konzentrieren sich auf ihre Infrastruktur. Sie haben Milliarden in den Ausbau von 5G, IoT-spezifischen Network Slices, privaten Netzen und flächendeckender Abdeckung investiert.
Viel zu häufig endet hier die Innovation. IoT-Konnektivität wird als Massenware verkauft, für Centbeträge pro MB bzw. Dollarbeträge pro SIM. Der eigentliche Mehrwert – Plattformen, Dashboards, Analysen und Erkenntnisse – entsteht derweil bei anderen.
Damit laufen Telekommunikationsunternehmen Gefahr, in der IoT-Wertschöpfungskette auf die Rolle von Großhändlern reduziert zu werden, während Tech-Unternehmen und Branchenspezialisten das Kundenerlebnis kontrollieren.
Warum Telcos wieder selbst aktiv werden müssen – besonders im IoT
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Telcos den Schritt vom reinen Konnektivitätsanbieter hin zum Plattformentwickler und Lösungsorchestrator schaffen. Aus folgenden Gründen ist echte Software- und Produktentwicklung entscheidend:
- IoT braucht mehr als Konnektivität
Unternehmen wollen Ergebnisse, keine Datenleitungen. Sie möchten Assets nachverfolgen, den Energieverbrauch senken, Wartungen vorhersagen und die Sicherheit erhöhen. Dafür brauchen sie Datenplattformen, KI und branchenspezifische Anwendungen – Bereiche, in denen Telcos führend sein können, wenn sie sich darauf einlassen.
- Kundenbeziehung und Daten selbst besitzen
Wer nur Konnektivität verkauft, bleibt in transaktionalen Beziehungen stecken. Wer jedoch Plattformen oder branchenspezifische Lösungen anbietet, wird zum strategischen Partner – und kann die durch das eigene Netzwerk fließenden Daten nutzen, um zusätzlichen Mehrwert zu schaffen. - Sichtbar werden in einem gesättigten Markt
Wenn alle Telcos dieselbe IoT-Management-Software weiterverkaufen, fehlt jede Differenzierung. Wer hingegen eigene digitale Tools, lokale Angebote oder anpassbare Plattformen entwickelt, schafft Kundentreue und Preissetzungsmacht. - Neue Umsatzquellen erschließen
Wer die Plattform besitzt, kann zusätzliche Einnahmen generieren – etwa durch Gerätemanagement, Analysen, SLA-basierte Services, Cybersicherheit und mehr. So lösen sich Telcos vom klassischen MB-basierten Preismodell.
Was bedeutet das für die Praxis?
Nicht jedes Telekommunikationsunternehmen muss zu einem zweiten Google werden. Aber sie müssen interne Fähigkeiten in der Produktentwicklung aufbauen:
- Produktmanager, Ingenieure, UX-Designer und Data Scientists einstellen
- Moderne Technologien einsetzen: Cloud-native Architektur, Microservices, offene APIs und KI-Bibliotheken
- Modulare IoT-Plattformen entwickeln, die branchenübergreifend funktionieren
- Entwickler unterstützen – mit klaren APIs, Sandbox-Umgebungen und guter Dokumentation
- Agile Methoden leben und kontinuierlich auf Nutzerfeedback reagieren
Es steht viel auf dem Spiel
Da Milliarden von Geräten – von intelligenten Messsystemen bis zu autonomen Robotern – miteinander verbunden werden, wird das IoT zum Rückgrat von Industrie und Städten. Die entscheidende Frage lautet:
- Werden Telcos ihre Netzwerk-Expertise nutzen, um sich zu Ende-zu-Ende-Lösungsanbietern zu entwickeln?
- Oder bleiben sie reine Infrastrukturanbieter, während andere den eigentlichen Mehrwert abschöpfen?
Am Ende hängt alles davon ab, ob sie bereit sind, eigene Lösungen und Services zu entwickeln.
Schlussgedanke
Telcos verfügen bereits über Vertrauen, Skalierbarkeit und Infrastruktur. Was vielen fehlt, ist die Denkweise und Kompetenz, um eigenständige Softwareprodukte und differenzierte Plattformen zu entwickeln.
Wenn sie jetzt damit beginnen, in Entwicklungsteams zu investieren und einzigartige IoT-Lösungen aufzubauen, können sie erheblichen Mehrwert erschließen.
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Ben Van Der Ross begeistert sich für Technologien, die unsere Welt verbinden, und verfolgt aufmerksam die neuesten Innovationen. Er liebt es, seine ständige Recherche in zugängliche Texte zu verwandeln – für Leser, die immer einen Schritt voraus sein wollen.